Gerätehäuser der Söflinger Feuerwehr

In den Zeiten, als die einzige Ausrüstung der Löschmannschaften aus Ledereimern bestand, war die Unterbringung dieser Eimer kein Problem. Jeder Angehörige der Löschmannschaft hatte seinen Feuerkübel zu Hause aufzubewahren und für die pflegliche Behandlung desselben zu sorgen. Mit Beschaffung der ersten Feuerspritze in Söflingen (vermutlich um 1830) musste ein möglichst zentraler Ort zur Aufbewahrung der Feuerlöschrequisiten gefunden werden. Was lag in Söflingen näher, als diese Geräte im Klosterhof aufzubewahren. Die Feuerlöschrequisiten und Feuerspritzen wurden im Zehntstadel, einem aus der Zeit des Söflinger Klarissenklosters stammenden Gebäude untergebracht. Dieses Gebäude wurde 1850 von der bürgerlichen Gemeinde erworben und diente bis 1902 als Spritzenmagazin, Turnsaal und Gemeindescheuer. An der Stelle dieses Zehntstadels wurde in den Jahren 1903 bis 1904 ein neues Spritzenmagazin mit Turnsaal und Wohnungen erbaut. Der Anlass für diesen Neubau war ein Großfeuer in der Nacht vom 17. auf den 18. September 1902, bei dem der Zehntstadel und fünf weitere Häuser vernichtet wurden.

In der Nacht zum 13. Oktober 1902 legte ein weiteres Großfeuer zwei Gebäude in der Schlossergasse in Schutt und Asche und beschädigte angrenzende Wohnhäuser schwer. Offenbar hatten diese Großbrände im Herbst des Jahres 1902 beim Schultheiß Lehner und den Herren des Söflinger Gemeinderats bleibenden Eindruck hinterlassen. Bereits am 23. Oktober 1902 wurde Oberamtsbaumeister Buchwald mit der Planung eines Spritzenmagazins mit Turnsaal und Wohnungen anstelle des abgebrannten Zehntstadels beauftragt. Im Januar. 1903 wurden die Pläne dem Königlich-Württembergischen-Oberamt Ulm zur Prüfung vorgelegt und der Baubeschluss gefasst. Noch vor der Eingemeindung nach Ulm entstand ein für die damaligen Verhältnisse sehr großzügig geplantes neues Spritzenmagazin.

Die Pferde für die pferdegezogenen Leitern und Spritzen waren bei Landwirten, die zur Feuerwehr gehörten, untergebracht. Bei Feueralarm ging es dann im Galopp zum Gerätehaus in den Klosterhof. Es wird erzählt, dass die Pferde des Bauern Duckek aus der Ochsengasse beim Ertönen der Feueralarmglocke nur noch losgebunden werden mussten und dann beinahe von alleine zum Gerätehaus rannten.

Abgesehen vom Einbau von Wohnungen in das Dachgeschoss im Jahre 1920 wurden bis zum 2. Weltkrieg keine Veränderungen am Gebäude vorgenommen. Ein größerer Umbau erfolgte 1940/41. Die Ausfahrten wurden um 90° zum Rathaus hin gedreht und neue Tore eingebaut. Durch diese Baumaßnahme war es möglich, während des 2. Weltkriegs schwere motorisierte Löschfahrzeuge im Gerätehaus zu stationieren. Während des 2. Weltkriegs wurde der Turnsaal als Schlafraum für den bis zu 36 Mann starken Teil der 2. Feuerschutzpolizeibereitschaft benutzt. Der Schlauchturm der Söflinger Feuerwache wurde leider im Jahr 1956 zugunsten einer Vergrößerung der Wohnungen abgerissen. Mit Beginn der Klosterhofsanierung Ende der siebziger Jahre wurde auch an eine Auslagerung der Feuerwehr aus dem Klosterhof gedacht. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde vonseiten der Feuerwehr als Standort für ein neues Gerätehaus das Gebiet Auchertwiesenweg / Jägerstraße / Einsteinstraße favorisiert. Trotz dieser, auch finanziell gesehen, guten Chancen im Rahmen der Klosterhofsanierung zu einem neuen Gerätehaus zu gelangen, musste der Gerätehausneubau auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Manche andere Abteilung der Feuerwehr Ulm musste Anfang der achtziger Jahre ihre Fahrzeuge in angemieteten Scheunen unterstellen und war im Vergleich zur Abteilung Söflingen noch viel schlechter untergebracht.

Durch mehrere Umbauten und Renovierungsarbeiten, wie den Einbau einer neuen Innenbeleuchtung, den Abbruch von Zwischenwänden und die Einrichtung eines neuen Unterrichtsraumes in den Räumen des ehemaligen Kindergartens, konnten durch Eigenleistungen des Löschzuges die räumlichen Verhältnisse verbessert werden. Leider konnte die Einrichtung von Dienstwohnungen für Feuerwehrangehörige im neu renovierten Bräuhaus im Klosterhof trotz Zusagen einflussreicher Kommunalpolitiker nicht verwirklicht werden. Die über der Fahrzeughalle befindlichen Wohnungen wurden, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht als Dienstwohnungen benutzt, und wären in den letzten Jahren erst nach größeren Renovierungsarbeiten für Familien geeignet gewesen. Während und nach der Sanierung des Klosterhofes wurde der Standort Klosterhof immer mehr zu einem Unsicherheitsfaktor in der Einsatzbereitschaft des Löschzuges.

Im Juni 1987 wurde beispielsweise eines Abends festgestellt, dass im Zuge der Belagsarbeiten im Klosterhof der Fahrbahnbelag vor dem Gerätehaus ca. 30 cm tief entfernt wurde und an der Ausfahrt des TLF16 ein ungesicherter 4 m tiefer Lüftungsschacht lag. Nach Abschluss der Sanierung und der Ausweisung der Straßen im Klosterhof als Spielstraße wurden die Parkplatz- und Verkehrsverhältnisse für die an- und abrückenden Einsatzkräfte noch schlechter. Entlang des Forsthauses musste mit Falschparkern gerechnet werden, der Gemeindeplatz und die dortige Feuergasse waren von Kurzparkern belegt und bei der Ausfahrt über die Torstraße wurde es im Bereich Hinter der Mauer / Harthauser Straße oftmals recht eng für die Einsatzfahrzeuge. Hätten sich die Maschinisten stets an die StVO gehalten, so hätten sie zu jeder Tages- und Nachtzeit im Klosterhof stets das Martinshorn betätigen müssen, sobald die Schrittgeschwindigkeit überschritten wurde. Für eine zeitgemäß ausgerüstete Feuerwehr hätte das Gerätehaus mit vielen Einbauten, wie einer Druckluftanlage, einer Abgasabsaugung und einem separaten Zugang außerhalb der Fahrzeugausfahrten nachgerüstet werden müssen. Als sanitäre Anlagen standen den 45 Männern und (seit April 1993) Frauen der Abteilung Söflingen lediglich ein Waschbecken und ein außerhalb des Gebäudes gelegenes WC zur Verfügung. Als im Juli 1991 der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderates den Baubeschluss für ein neues Gerätehaus fasste, war ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung der Abteilung Söflingen getan. Dennoch dauerte es noch zwei Jahre, bis im Juni 1993 mit dem Bau des Gerätehauses in der Einsteinstraße begonnen wurde.

Etwa zur gleichen Zeit wurde im Bauausschuss die Ersatzbeschaffung für die DL 25 genehmigt. Mit Fertigstellung des neuen Gerätehauses konnte dann die Ulmer Drehleiter von der Hauptwache abgezogen werden und in Söflingen anstelle der DL 25 aus dem Jahre 1962 stationiert werden. Das alte Gerätehaus stand dann bis Juni 1998 leer und wurde anschließend abgerissen. Es musste leider dem Neubau einer Wohnanlage mit Betreuung weichen.

Mit dem neuen Gerätehaus wurde für die Abteilung Söflingen ein einsatztaktisch äußerst günstiger Ausgangspunkt in ihrem Einsatzgebiet geschaffen. Durch die Fertigstellung der Blautalbrücke ist die Erreichbarkeit der Neubausiedlungen auf dem Eselsberg und der Wissenschaftsstadt und Richtung Donautal deutlich verbessert. Das Fachmarktzentrum und das Blautalcenter auf dem ehemaligen Magirusgelände liegen praktisch in der Nachbarschaft des neuen Gerätehauses. Die zentrale Lage wirkt sich auch vorteilhaft für die anrückenden Feuerwehrkräfte aus. Etwa die Hälfte der Feuerwehrangehörigen können das Gerätehaus zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.

Am 17. Dezember 1993 konnte im Beisein von Herrn Baubürgermeister Wetzig das Richtfest gefeiert werden. Der traditionelle Richtspruch musste jedoch wegen widriger Witterung in den behelfsmäßig beheizten Unterrichtsraum verlegt werden.

Am 4. November 1994 konnte die Abteilung Söflingen das beinahe fertiggestellte Gerätehaus beziehen. Die Endreinigung des Gebäudes wurde damals von der Abteilung Söflingen selbst durchgeführt.

Nach längeren Gesprächen mit dem Hochbauamt konnte 2010 mit dem Bau einer Pergola an das Söflinger Gerätehaus begonnen werden. Die Auflagen waren genau abgesprochen. Die Erbauung der Pergola erfolgte in Eigenarbeit, die Finanzierung aus Mitteln der Abteilungskasse Söflingen.